Erdgeschichte hautnah:
Klingenbergs Seltenbachschlucht

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Dass wir am Untermain das Glück besitzen, die Schönheit der Natur gleich vor der Haustür zu haben, darin sind wir uns sicherlich alle einig. Weinberge, Main, Spessart und Odenwald… Doch wer von euch kennt eigentlich die Seltenbachschlucht in Klingenberg? Sie zählt offiziell zu den 100 schönsten Geotopen in Deutschland und bietet faszinierende Einblicke in Natur und Erdgeschichte. MainFlair hat sie für euch besucht.

seltenbachschlucht-9025Ihr erreicht die Schlucht, wenn ihr in Richtung der Treppen zur Clingenburg lauft. Statt hinauf zu steigen, folgt ihr der Gasse, die euch direkt auf den Wanderweg führt. Auf dem Weg dorthin kommt ihr am Klingenberger Eiskeller vorbei, einer in den Felsen geschlagenen Höhle in der einst die ortsansässigen Brauereien ihr Bier kühlten. seltenbachschlucht-9042Auch den Metzgereien diente die Höhle als Kühlraum. Heute nutzen sie Klingenberger Winzer zeitweise als Weinkeller.

In der Schlucht angekommen, folgt ihr dem Seltenbach, den ihr auf insgesamt 15 Brücken mehrmals überquert. Mit ein wenig Glück, könnt ihr Feuersalamander oder Lurche sehen. Sie leben hier zuhauf, sind aber natürlich äußerst scheu. Wir haben bei unserer Wanderung einen Molch auf einem Stein im Seltenbach beim schlafen beobachtet, wollten ihn aber für ein Foto nicht weiter stören.

Die Seltenbachschlucht entstand in der Eiszeit, vermutlich durch Schmelzwasser, das in einem breiten Gefälle den Berg hinab rann und sich nach und nach in das Gestein grub. Das ist heute etwa zwei Millionen Jahre her – unvorstellbar diese Zahl, oder?

Ziemlich zu Anfang des ein Kilometer langen Wanderwegs könnt ihr einen großen Buntsandsteinfelsen bewundern (sieht Titelbild). Er zeigt euch die einzelnen Schichten der Gesteinsart und nimmt euch mit auf eine geologische Reise durch die Erdgeschichte. seltenbachschlucht-9080

Am Ende der Schlucht erreicht ihr den Arme-Sünder-Weg, der euch zu einem Galgen führt, an dem noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts Hinrichtungen stattfanden. Außerdem befindet sich am Ausgang der Schlucht am Rand der Straße nach Mechenhard und Röllbach das alte Tonbergwerk der Stadt. 270 Jahre lang war es in Betrieb, bis es 2011 schloss, nachdem ab 1960 der Absatz massiv zurückgegangen war. Ihr könnt das Förderband und die Bunkeröffnungen bestaunen.seltenbachschlucht-9056

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