Schiff ahoi:
Das Schifffahrtsmuseum in Wörth

blog-6771Bei einem Blog über den Untermain darf eines nicht fehlen: Unsere reiche Schifffahrtstradition. Bereits die Kelten und die Kimbern nutzten den Main als Wasserstraße. Später eroberten die Römer auf dem Main Germanien. Stark an Bedeutung gewann die Mainschifffahrt im Mittelalter. Flussaufwärts mussten die Schiffe damals gestakt (mit Hilfe einer Stange) oder getreidelt (angezogen durch Pferde- oder Menschenkraft) werden. Relikte aus vergangenen Zeiten finden sich im Wörther Schiffer- und Schifffahrtsmuseum. MainFlair ging für euch auf geschichtliche Entdeckungstour.

blog-6755Das Museum befindet sich in der Altstadt in der umgestalteten St. Wolfgangskirche und besteht seit 1991. Die im 14. Jahrhundert erbaute Kirche lag zuvor aufgrund starker Überschwemmungsschäden brach und war bereits 1903 von der Würzburger Diözese profaniert worden. Heute bleibt die Kirche dank Hochwasserschutz vor weiteren Schäden verschont. Grund genug für die Wörther, einen Förderverein zu gründen, der sich des verwaisten Gebäudes annahm und das Museum verwirklichte.

Betritt man den Raum, staunt man erst einmal über den gelungenen Kontrast zwischen der neuen Stahlkonstruktion, die das Museum in drei Etagen teilt, und der historischen Bausubstanz im barocken Stil. Für die denkmalgerecht Umgestaltung hat der Bund deutscher Architekten der Stadt Wörth 1991 den Landespreis verliehen. Besonders schön anzusehen ist die bemalte Decke, die ich für euch auf einem Foto festgehalten habe.blog-6811

Im Erdgeschoss zeigen Miniaturmodelle die Geschichte der Mainschifffahrt: Römische Galeeren, Treidelschiffe, Dampfschiffe und moderne Motorschiffe. Seit dem 13. Jahrhundert gilt Wörth als Schifferstadt. Von 1653 bis 1918 fertigen Werften in Wörth Schiffe an. Diese Tradition fand erst mit dem Umzug der letzten Werft nach Erlenbach auf der gegenüberliegenden Mainseite ein Ende.blog-6774

Auch historische Werkzeuge zum Schiffsbau, wie das Kalfateisen, können im Erdgeschoss bestaunt werden. Interessant ist die historische Nagelschmiede im Nebenraum des Museums. Ein Hund sorgte einst für den Antrieb der Maschine. Wie das funktionierte, erfahrt ihr vor Ort.

Toll zum Ausprobieren ist der Fahrstand auf der zweiten Galerieempore. Hier kann man auf einer modernen Schiffsbrücke Probe sitzen, das Steuerrad bedienen und die Instrumente bestaunen. Auch ein Radargerät ist hier zu sehen.blog-6800

Für mich besonderes spannend: Die Kettenschleppschifffahrt. Um 1900 wurde auf dem Flussbett des Mains auf sage und schreibe 396 Kilometern eine schwere Kette verlegt. Daran konnten sich die Schiffe stromaufwärts ziehen. Die Kette erstreckte sich von Aschaffenburg bis Bamberg.

Neben Modellen, Werkzeugen und Instrumenten erklärt das Museum durch Schautafeln Wissenswertes zur Schifferstadt. Wusstet ihr, dass die Kelten dem Main seinen Namen gaben? Damals nannten sie ihn wegen seiner vielen Windungen „Moin“ – die gekrümmte Schlange.img004

Habt ihr das Schifffahrtsmuseum bereits besucht? Und kennt ihr den restaurierten Schlepper Pax am nordwestlichen Ortsausgang? Schreibt mir eure Erfahrungen in die Kommentare – ich freue mich!

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